Neue Forschungsergebnisse unterstützen die Wirksamkeit der Strahlentherapie zur Keloidprävention
Viele Menschen glauben, dass Strahlentherapie nur zur Behandlung von Krebs sinnvoll ist. Zwar spielt sie dabei eine entscheidende Rolle, aber sie hat auch viele andere Anwendungsgebiete, die Patienten vielfältige Vorteile bringen können. Strahlentherapiezentrum können diese bereitstellen.
Ein Beispiel hierfür ist die Vorbeugung des Wiederauftretens von Keloiden nach deren operativer Entfernung. Keloide sind eine Art des Hautwachstums Dies tritt auf, wenn die Haut auf ein Trauma, wie beispielsweise eine schwere Verbrennung oder eine schwere Wunde, nicht normal reagiert.
Narbengewebe ist bei manchen Verletzungen dieser Art sowie nach Operationen normal. Der Körper produziert jedoch nur eine begrenzte Menge an Kollagen, dem von Hautzellen, den sogenannten Fibroblasten, abgesonderten Stoff. Normalerweise bildet sich dadurch neue Haut, um die Wunde zu heilen.
In manchen Fällen reagieren die Fibroblasten jedoch übermäßig, was zu einer übermäßigen Narbenbildung führt. Die Folge sind Keloide.
Was sind die Merkmale von Keloiden?
Diese werden folgendermaßen charakterisiert:
- Sie bedecken eine größere Fläche als die ursprüngliche Wunde.
- Sie zeichnen sich durch ein unansehnliches, erhabenes und klumpiges Erscheinungsbild aus.
- Sie können erhebliche Beschwerden verursachen, darunter Schmerzen und Blutungen.
Dies wirft zwei naheliegende Fragen auf. Die erste ist, wie dieses Problem verursacht wird, die zweite, was man dagegen tun kann. Die Strahlentherapie liefert einen Teil der Antwort auf die zweite Frage.
Zu den Faktoren, die vermutlich Keloide verursachen, gehören:
- Hautinfektionen, die zu weiteren Entzündungen führen
- Eine genetische Veranlagung
- Traumatische Verletzungen
In all diesen Fällen wird angenommen, dass die Produktion von vermehrtem Kollagen angeregt wird, was zu der überschießenden Reaktion und der Bildung dieser unschönen Narbengewebe führt. Diese können zwar operativ entfernt werden, wachsen aber häufig wieder nach.
Wie kann sich eine Strahlentherapie auf Keloide auswirken?
Der genaue Mechanismus, durch den dies geschieht, ist noch nicht geklärt und Gegenstand laufender Forschung. Es werden aber auch Studien zu Möglichkeiten der Eindämmung des erneuten Wachstums von Keloiden durchgeführt, unter anderem zur Anwendung der Strahlentherapie.
Eine neuere Studie veröffentlicht in BMC Surgery Er hob die Wirksamkeit der Strahlentherapie hervor, wenn diese im Anschluss an eine Operation zur Entfernung der Keloide durchgeführt wird.
Die Studie ergab, dass die Anwendung einer Strahlentherapie nach der Operation wesentlich wirksamer ist als eine Operation allein, um das Wiederauftreten von Keloiden zu verhindern, insbesondere bei älteren Patienten.
Dies galt sowohl für die Anwendung der Strahlentherapie zusammen mit injizierten Medikamenten zur Unterdrückung der Kollagenproduktion als auch für die alleinige Anwendung.
In der Studie wurden 121 Patienten, die sich einer Operation zur Entfernung von Keloiden unterzogen hatten, in drei Gruppen eingeteilt:
- Gruppe A wurde operiert und anschließend bestrahlt.
- Gruppe B wurde operiert und anschließend mit einer Kombination aus Strahlentherapie und Medikamenten behandelt.
- Nur Gruppe C wurde operiert.
Gruppe A wies eine Erfolgsquote von 93.88 Prozent auf, da bei nur sehr wenigen Patienten die Keloide erneut auftraten. Gruppe B war mit 87.04 Prozent nahezu ebenso erfolgreich, während in Gruppe C lediglich bei 55.56 Prozent der Patienten kein erneutes Auftreten der Keloide beobachtet wurde.
Dies lieferte einen sehr deutlichen Hinweis darauf, dass zwar die Operation in allen Fällen für die Keloidentfernung von zentraler Bedeutung war, die Strahlentherapie jedoch eine wichtige Rolle dabei spielte, sicherzustellen, dass die Keloide nicht wieder auftraten.
Wie stoppt die Strahlentherapie die Kollagenproduktion?
Um zu verstehen, warum das so ist, ist es wichtig zu betrachten, was die Strahlentherapie mit den Zellen macht und wie dadurch unerwünschte Ereignisse wie Keloide verhindert werden können.
Einigen ist der Wirkmechanismus der Strahlentherapie gegen Krebs bekannt. Starke Strahlung kann die DNA der Zellen schädigen und so deren Vermehrung erschweren. Dadurch können die Zellen absterben und Tumore verkleinern.
Die Strahlentherapie kann bei Keloiden auf eine etwas andere Weise angewendet werden. Dabei wird Folgendes angewendet: Schädigung der DNA von FibroblastenzellenDadurch wird ihre Fähigkeit zur Kollagenproduktion verringert, wodurch die Bildung übermäßiger Mengen an Narbengewebe verhindert wird.
Wichtig ist, darauf hinzuweisen, dass die eingesetzte Strahlungsmenge nicht annähernd so hoch ist wie die zur Bekämpfung von Krebszellen verwendete, obwohl in beiden Fällen das ideale Ergebnis die Apoptose der Zelle ist, bei der die Zelle vollständig abstirbt und somit ihre unerwünschte Funktion nicht mehr ausführen kann.
Dies bedeutet, dass bei Patienten, die wegen Krebs eine Strahlentherapie erhalten, Nebenwirkungen wie Haarausfall, Übelkeit, Müdigkeit und Hautirritationen auftreten können, dies aber nicht bei denjenigen der Fall ist, die eine Strahlentherapie zur Vorbeugung von Keloidnarben nach einer Operation erhalten.
Zur Behandlung von Keloiden wurden zahlreiche Therapien erprobt, von Lasertherapie und Silikongelen bis hin zur Anwendung von Retinsäure. Doch immer mehr Forschungsergebnisse deuten stark darauf hin, dass die Strahlentherapie zur Hemmung der Kollagenproduktion durch Fibroblasten am wirksamsten ist.


